Kleine China-Etikette
Die traditionelle Hierarchie
Im Gegensatz zu Deutschland sind die hierarchischen Strukturen deutlich erkennbar und im Umgang zu berücksichtigen.
Achten Sie darauf, wer bei einem Geschäftstreffen als Erster den Raum betritt. Er ist der Ranghöchste. Sollte er später eintreffen, werden alle Anwesenden aufstehen, bevor der sich setzt. Er wird als erster das Glas erheben und er allein hat das Vorrecht, die Tafel aufzuheben. Allerdings: Verlassen Sie am Ende eines Treffens vor Ihren Gastgebern den Raum!
Die Hierarchie ist auch in der Art der Anrede erkennbar. Es ist unvorstellbar, dass ein ‚Untergebener’ seinen Vorgesetzten nur mit seinem Familiennamen anspricht. Die Angabe der Position ist unbedingt erforderlich. Es heißt nicht „Herr Wang“, sondern „Leiter Wang“, bzw. „Direktor Wang“. Auch in derselben Hierarchieebene ist es eher unhöflich, sich direkt mit Familiennamen anzureden. Dem Familiennamen wird die Berufsbezeichnung vorangestellt: „Lehrer Hu“, „Doktor Li“, „Buchhalter Ma“.
Sind Sie einander näher bekannt oder verwandt, ist die Erweiterung des Familiennamens mit „Alter Wu“ oder „Kleiner Wu“ üblich und auch ehrenwert. So wird eine ältere Dame ohne weiteres respektvoll als die „Alte Lee“ bezeichnet. Die Hierarchie untereinander lässt eine Kritik von unten nach oben nicht zu. Andererseits ist eine deutliche Fürsorge ‚von oben nach unten’ üblich.
Dos und Tabus:
§ Überreichen Sie Visitenkarten stets mit beiden Händen und stecken Sie die erhaltene niemals in die Hosentasche.
§ Achten Sie auf eine ruhige, eher defensive Körpersprache und einen für deutsche Verhältnisse sehr leichten Händedruck.
§ Vermeiden Sie direkte Kritik (= Gesichtsverlust).
§ Verzichten Sie in Gesprächen auf heikle Themen wie chinesische Innenpolitik, Falun Gong oder territoriale Konflikte.
§ Vermeiden Sie bei Präsentationen oder Ähnlichem bunte Farben, provokante Symbolik und Zahlenspiele, wenn Sie sich über deren chinesische Bedeutung nicht sicher sind.
§ Pünktlichkeit ist nicht nur im Job unerlässlich.